Krankheit ist das Fehlen von Lebenssalzen!
Mitte des 19. Jahrhunderts untersuchte der Oldenburger Arzt Dr. Wilhelm Schüssler die Asche von Verstorbenen und fand heraus, dass je nach Krankheit bestimmte Mineralien fehlten oder unterdosiert waren. Seine Erkenntnis fasste er in dem Satz zusammen: Krankheit ist das Fehlen von Lebenssalzen!
Die Biochemie nach Schüssler ist seither bestrebt, die fehlenden Salze auszugleichen. Mineralien und Spurenelemente sind wie Vitamine fundamentale Bausteine, aber auch kreative Mitwirkende vieler körperlicher wie geistiger Funktionen, und sie beeinflussen auch Stimmungen und unser Gefühlsleben. Durch die gelösten Mineralstoffe in den Körperflüssigkeiten werden diese für elektrische Ströme leitfähig. Sie liegen dort in Form elektrisch geladener Teilchen, als Ionen vor. Jede Zelle, für sich betrachtet, besitzt sämtliche wesentlichen und für das Leben charakteristischen Merkmale: Sie kann sich ernähren, verdauen, atmen, sich bewegen und durch Teilung vermehren und hat sogar die Möglichkeit der Kommunikation, des Informationsaustauschs. Prof. Fritz A. Popp gelang der Nachweis, dass Zellen untereinander durch Aussendung von ultraschwachen Lichtimpulsen in Wechselwirkung stehen, was z.B. die Informationsausbreitung im gesamten Körper innerhalb von Sekundenbruchteilen erklärt.
Die Elektrolyte, im Wasser lösliche Mineralien und Spurenelemente, die Körperflüssigkeiten elektrisch leitfähig machen, beeinflussen den ganzen Stoffwechsel. Die Regulation der Elektrolyte steht in engem Zusammenhang mit dem Wasser- und dem Säure-Basen-Haushalt mit der Niere als Zentralorgan. Die Körperflüssigkeiten beim Gesunden haben einen ganz bestimmten charakteristischen und konstanten Gehalt an Mineralstoffen.
Eine Therapie mit Schüssler-Mineralsalzen hebt sich von einem rein symptomorientierten Verordnen ab. Die Vernetzung der Systeme, die aufeinander reagieren, sich gegenseitig regulieren, die Aufgaben kompensieren - ihr hochsensibles und hochreaktives Zusammenspiel, ist das eigentliche Prinzip des Lebendigen.
Die Schüssler-Salze sind Basistherapeutika, die den Säure-Basen-Haushalt, das innere Milieu und langfristig auch Wesen und Empfindung des Menschen grundlegend beeinflussen und Blockierungen lösen können. Ein Mineralstoffmangel drückt sich nie nur körperlich aus, sondern hat immer auch Einfluss auf das Wesen und die Empfindung des Menschen.
Wie wirken die Schüssler-Salze?
Wilhelm Heinrich Schüssler hat im norddeutschen Herzogtum Oldenburg einige Jahre Homöopathie praktiziert und sich dann mehr und mehr auf die damals bekannten mineralischen Funktionsmittel des menschlichen Organismus konzentriert. Er wurde in der Folge von damaligen Homöopathen angegriffen, weil er in Dosierung und Wahl der Mittel von einigen homöopathischen Grundsätzen abwich. Schüssler verfocht seine Arbeit mit grosser Gradlinigkeit und konnte sie im Laufe der Zeit mit vielen Heilerfolgen untermauern.
Die Schüssler-Salze sind keine Mineralstoffe im üblichen Sinn, wie sie in Heilerden, Basenmischungen und Nahrungsmitteln vorkommen. Sie sind potenziert und wirken daher im Organismus unmittelbar in der Zelle selbst und müssen nicht erst vom Verdauungstrakt aufschlossen werden. Zudem ist bei den Schüssler-Salzen (Ausnahme Silicea) jeweils ein basisches und ein saures Element miteinander verbunden. Durch die Verbindung von Base und Säure (bei Calcium phosphoricum beispielsweise bildet Calcium die Base und Phosphor die Säure) muss der Organismus nicht auf die Einzelelemente zurückgreifen. Die Schüssler-Salze sorgen als Funktionsmittel dafür, dass die aus den Lebensmitteln gewonnenen Mineralstoffe dem Körper als Baustoff dienen.
Unterschiede zur Homöopathie
Die Denkansätze bei Schüssler und Hahnemann waren insofern gleich, als sie eine Therapie aufbauen wollten, die mit Hilfe natürlicher Stoffe die Gesundheit des Menschen fördert. Es gibt grundsätzliche Unterschiede bei der Mittelwahl zwischen Biochemie und Homöopathie. Während bei der Biochemie nach Schüssler die dem Menschen fehlenden Mineralstoffe als Funktionsmittel durch feine Gaben ergänzt werden, wird in der Homöopathie das Mittel nach dem Ähnlichkeitsprinzip gesucht - das Mittelbild muss also den Symptomen des zu behandelnden Menschen am ähnlichsten sein.
Schüssler war zunächst leidenschaftlicher Homöopath, wie viele Veröffentlichungen von ihm in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung bekunden. Er blieb aber stets ein Suchender und Fragender. Mit der neuen Biochemie schuf er eine Therapieform, die nichts anderes wollte, als dem Körper fehlende Stoffe zuzuführen. Er näherte sich der Idee von Justus Liebig an, dass eine Pflanze verkümmert, wenn ihr nur eines der wichtigen Lebenselemente fehlt. Im Streit, ob denn nun die Biochemie ein Teil der Homöopathie sei oder ihre Erfolge der Ergänzung fehlender Elemente verdankt, hat Schüssler selbst unmissverständlich Stellung genommen. In seiner grundlegenden Schrift Eine abgekürzte Therapie äussert er sich wie folgt: Wer von kleinen Gaben hört, denkt gewöhnlich sofort an Homöopathie. Mein Heilverfahren ist aber kein homöopathisches, denn es gründet sich nicht auf das Ähnlichkeitsprinzip, sondern auf die physiologisch-biochemischen Vorgänge, welche sich im menschlichen Organismus vollziehen.
Einige Hinweise auf die Anwendung der Schüssler-Salze
Die Schüssler-Salze lassen sich mit den ausführlichen Symptomenlisten in Büchern aufgrund eigener Wahrnehmungen und Inspirationen auswählen. Wer einen Schritt weiter gehen möchte, der kann die Antlitzdiagnose nach Dr. Kurt Hickethier ganz im Sinne Schüsslers in die Mittelfindung einbeziehen. Äussere Anzeichen innerer Erkrankungen sind immer ein wichtiger Wegweiser.
Zur Vorbeugung oder zur Behandlung von chronischen Symptomen werden von einem Mineralstoff täglich 4 bis 6 Pastillen geschluckt, Kinder 2 bis 3. Die intensivste Aufnahme erfolgt, wenn das Mittel langsam auf der Zunge gelutscht wird. Die erwähnten Mineralstoffe können über Monate eingenommen werden, ohne dass Nebenwirkungen zu erwarten sind. Unterschiedliche Darstellungen werden in der Literatur zur Mischung von Mineralstoffen gegeben. Richard Kellenberger vertritt in seinem Buch Mineralstoffe nach Dr. Schüssler die durch Praxisalltag geprägte Meinung, dass verschiedene Mineralstoffe am gleichenTag eingenommen werden können. Er hat in seine Arbeit auch die 25 Ergänzungsmittel nicht aufgenommen, die erst nach dem Tode Schüsslers kreiert wurden. Dagegen spielt die äussere Anwendung der Mineralstoffe nach Schüssler in Salbenform eine wichtige Rolle.
Die 12 Mineralstoffe nach Dr. Schüssler
Nr. 1 Calcium fluoratum D12
In der Natur als Flusspat. Sorgt für eine erhöhte Elastizität des Gewebes. Rissige Hände, spröde Nägel deuten auf Mängel hin. Bei Krampfader dient Calcium fluoratum für den Wiederaufbau der Elastizität der Venen.
Nr. 2 Calcium phosphoricum D6
Befindet sich in allen Körperzellen, vor allem jenen der Knochen. Wirkt beruhigend auf die Muskeltätigkeit, ist daher hilfreich bei lang anhaltenden Muskelkrämpfen und Gliederschmerzen. Mittel bei Osteoporose, wichtiger Blutgerinnungsfaktor. Regt Bildung der weissen und roten Blutkörperchen an.
Nr. 3 Ferrum phosphoricum D12
Eisen (Ferrum) ist sowohl Bau-, als auch Funktionsstoff. Es ist im Blut und den Muskelzellen vorhanden, zur Infektabwehr unerlässlich, und es nimmt ausserdem an vielen enzymatischen Reaktionen teil. Ferrum phosphoricum ist das Mittel der Ersten Hilfe bei Verletzungen, Entzündungen und Schmerzen.
Nr. 4 Kalium chloratum D6
Das Mittel der zweiten Entzündungsphase, die in der Regel nach drei bis vier Tagen einsetzt (erste Phase siehe ferrum phosphoricum, dritte Phase siehe Kalium sulfuricum). Die zweite Phase ist gekennzeichnet durch schwer lösende schleimige Absonderungen, geschwollene Drüsen und Gelenke. Kalium chloratum hat eine entgiftende, blutreinigende Wirkung.
Nr. 5 Kalium phosphoricum D6
Kalium ist das wichtigste Salz im Inneren der Zelle, vor allem in Gehirn, Nerven und Muskeln. Nach Dr. Schüssler ist es das Mittel bei allgemeinen Erschöpfungszuständen, Nervenentzündung und zur Herzmuskelstärkung. Bei Mundgeruch, der auch durch gute Zahnhygiene nicht beseitigt werden kann, ist Kalium phosphoricum ein Mittel der Wahl.
Nr. 6 Kalium sulfuricum D6
Der Mineralstoff wird in den Schleimhäuten und allen Zellen zur Sauerstoffverwertung benötigt. Fehlt das Salz, kann es zu nächtlichen Beklemmungsgefühl, Herzklopfen, Hautjucken oder wandernden rheumatischen Gelenkschmerzen kommen.
Nr. 7 Magnesium phosphoricum
Dieser gut untersuchte Mineralstoff senkt den Cholesterinspiegel und hilft bei Thrombosen und Allergien. Es gehört zu den wichtigsten basenbildenden Mineralstoffen und wirkt auf die Drüsentätigkeit regulierend. Es ist angezeigt bei Krämpfen aller Art wie Herz, Magen, Waden. Das Mittel fördert die Wehen, wenn der Geburtszeitpunkt gekommen ist.
Nr. 8 Natrium chloratum D6
Der menschliche Organismus besteht zu etwa 60 % aus Wasser. Eine 0,9-prozentige Kochsalz(Natriumchlorid)-Lösung ist die physiologische Lösung unserer Körperflüssigkeiten. Allein das zeigt die Bedeutung des Schüssler Salzes D8. So können die Schleimhäute ihre wichtigen Aufgaben nur erfüllen, wenn das Salz vorhanden ist. Natrium chloratum ist sowohl ein wichtiges Mineral zur Aufrechterhaltung des Säure-Basen-Gleichgewichts als Säurepuffer, zeichnet jedoch auch für die unentbehrliche Säurebildung im Magen verantwortlich.
Nr. 9 Natrium phosphoricum D6
Das Mittel zerlegt die Milchsäure, die bei der Muskeltätigkeit entsteht, in Wasser und Kohlensäure, die über die Lungen ausgeatmet wird. Es hat sich bei Sodbrennen und saurem Aufstossen nach dem Essen bewährt. Für Dr. Schüssler stellte Natrium phosphoricum ein wichtiges Lymphmittel dar. Nehmen Kinder zuviel Zucker und Milchprodukte zu sich, kommt es in den Lymphdrüsen zu einem Milchsäureüberschuss. Die Drüsen schwellen an, und die Abwehrbereitschaft ist tangiert.
Nr. 10 Natrium sulfuricum D6
Natrium sulfuricum, das als Glaubersalz (E 514) eine Lebensmittelzulassung hat, reguliert wie Natrium chloratum die Körperflüssigkeiten. Bei Flüssigkeitsstauungen wie Ödemen zieht es das Wasser aus den Zellen heraus und bewirkt so die Ausscheidung auf den natürlichen Wegen der Nieren, Blase und Haut. Das Mittel ist angezeigt bei Leber- und Gallenbeschwerden, kolikartigen Durchfällen und hat sich auch bei offenen Beinen bewährt.
Nr. 11 Silicea D12
Kieselsäure findet sich in allen Zellen, Geweben und Organen. Wird Silicea zum Abbau von Säuren benötigt, fehlt es zur Erhaltung der Festigkeit der Haare und Nägel. Silicea löst harnsaure Kristallablagerungen etwa bei Gicht, Nierensteinen und Nierengriess und bewährt sich bei Zahneiterungen und bei Mittelohrentzündungen, sobald sich Eiter bildet.
Nr. 12 Calcium sulfuricum D6
Auch Calcium sulfuricum hat als Gips unter E 514 eine Lebensmittelzulassung. Es mag verwundern, dass dieser vielverwendete Baustoff in Leber, Galle, im Herz und Gehirn, in Muskeln, Eierstöcken und Hoden vorkommt und auf die Schleimhäute eine reinigende Wirkung ausübt. Calcium sulfuricum regt den Stoffwechsel an und unterstützt die Blutgerinnung. Es sorgt in der Magenschleimhaut dafür, dass diese durch die Säuren nicht verätzt wird. Das Salz ist daher bei Magenschleimhautveränderungen bis hin zum Magengeschwür sowie bei Eiterungen, Abszessen, Blasen- und Nierenentzündungen angezeigt.
Literatur
Richard Kellenberger, Friedrich Kopsche: Mineralstoffe nach Dr. Schüssler. AT Verlag, Baden. Christine Kellenberger, Richard Kellenberger: Äussere Anwendung der Mineralstoffe nach Dr. Schüssler. AT Verlag, Baden.





