Portrait - Der Applaus der Schmetterlinge

Die wertvollsten Dinge des Lebens sind unverkäuflich. Sie kosten nichts und sind dennoch schwer zu haben. Eine dieser unbezahlbaren Kostbarkeiten ist die Stille. Es gäbe keinen Grund, über sie zu reden, wenn nicht auch sie – die Schweigsame, Unscheinbare – im Begriff wäre, uns verlorenzugehen.

Stille ist ein zerbrechliches Gut. Immer kleiner werden die Inseln der Stille und des Schweigens in einer von Medien, Motoren, Monopolen, Managern, Militär und Multis beherrschten Welt. Lärm und hektische Betrieb-samkeit machen krank. Sie rauben uns den Schlaf und die Lebensfreude. Wer ihnen dauernd ausgesetzt ist, wird aggressiv und stumpft ab.

Wir tun uns schwer, uns der Stille hinzugeben. Stillsein, Innehalten, in sich horchen bedeutet auch, sich auf ein Wagnis einzulassen. Wir fürchten die Verwundung, den Verlust unseres eigenen Sicherheitssystems, das auf Geräusche, Zerstreuung, Hektik, Aktivität, auf geschwätzige Hast, statt auf geduldiges Zuhören, Achtsamkeit und ruhige Zuwendung aufgebaut ist. Wir wollen stark und abwehrbereit bleiben. So aber vermeiden wir letztlich Leben.

Rituale der Stille sind ein Weg, Zeitlosigkeit zu erleben, aus der linearen vergänglichen Zeit auszusteigen, in der wir zielorientiert festgelegt sind in dem, was wir denken, wie wir handeln, wie wir planen. Aussteigen, ein Versenken in die Zeitlosigkeit der Stille, kann äusserst gewinnbringend sein, indem es die Chance bietet, sich auf die Einmaligkeit und Kostbarkeit jedes einzelnen Augenblicks zu besinnen.

Gib dir Zeit – nimm dir Zeit. In Lärm, in Hast und Hektik, ohne Stille stirbt jede Sanftheit und Zärtlichkeit, auch im Umgang mit sich selbst. Lernen wir wieder, unseren eigenen Rhythmen nachzuspüren, aus dem Rhythmus des Tages, der Nacht und der Naturkreisläufe Kraft zu schöpfen und der besinnlichen Ruhe mehr Platz zu bieten. Sich selber kennenlernen, in sich hineinhorchen, Kraft spüren, Kraft empfangen, Kraft weitergeben – und immer wieder Stille.

Ohne diese unbezahlbare Kostbarkeit des Lebens werden wir den Applaus der Schmetterlinge nie wahrnehmen.

Wahrnehmen / zuhören / spüren / wohlfühlen